Er ist ein Mensch, der die Dinge gerne vorantreibt. Anderen Menschen zu helfen, ist tief in der Seele von Joachim Vosloh verankert. Das hat er wohl von seinem Opa väterlicherseits, der bei der Feuerwehr war, verrät er. Der 38-jährige stellvertretende DRK-Bereitschaftsleiter begründet seinen ehrenamtlichen Einsatz damit, den Menschen etwas zurückzugeben. „Ich erfahre viel Dankbarkeit, wenn ich anderen helfe. Wenn ich einem kleinen Kind ein Pflaster aufklebe und es lacht, freut mich dies. Das alles lässt einen auch dankbar dafür sein, dass man selbst gesund ist.“
Für andere Menschen im Einsatz zu sein, ist für den Leutershausener auch eine willkommene Abwechslung von seinem Job als Betriebsingenieur bei Roche in Mannheim. „Ich sitze dort viel im Büro. Beim DRK bin ich ganz nah bei den Menschen. Das finde ich toll."
Umtriebige Art
Von seiner umtriebigen Art profitieren die Hirschberger und das örtliche DRK, dessen stellvertretender Bereitschaftsleiter er ist, gleichermaßen. Vosloh möchte, zielstrebig wie er ist, weiter vorankommen: Bei der Hauptversammlung im April kandidierte er als Bereitschaftsleiter für das DRK Hirschberg.
Auch im Kreisverband strebt er diesen Posten an. Vosloh trat vor Jahren der Freiwilligen Feuerwehr bei und absolvierte gemeinsam mit Michael Reil die Ausbildung zum Feuerwehrsanitäter. Später wechselte er komplett zum Deutschen Roten Kreuz, die guten Kontakte zur Feuerwehr blieben natürlich bestehen.
Helfer vor Ort initiiert
Dem 38-Jährigen schwebt vor, die Rettungskette in seiner Heimatgemeinde, aber auch darüber hinaus weiter zu verbessern. Im Jahr 2023 rief er das Projekt „Helfer vor Ort“ (HvO) ins Leben.
Und dies funktioniert so: „Wenn sich die von einem Notfall benachrichtigte Ladenburger Rettungsleitstelle einen zeitlichen Vorteil verspricht, gibt uns der Disponent parallel Bescheid", erläutert
Vosloh den Vorgang, der schon etliche Menschenleben rettete. Die Hirschberger DRK-Helfer rücken schnell aus. Für sie ist der Einsatz beendet, wenn der Notarzt kommt und der Rettungswagen abfährt. Die Ursachen, weshalb die Helfer vor Ort alarmiert werden, reichen von Kreislaufstillstand über Bewusstlosigkeit bis hin zu Herzinfarkten. Gestartet sind die Hirschberger mal mit sechs Personen. Mittlerweile sind Joachim Vosloh und Alexander Schmitt übrig geblieben. Unterstützung könnte die Truppe daher gut gebrauchen. Denn an Einsätzen mangelt es nicht. 2024 waren es 121, und im Jahr 2025 erreichte man 98 Einsätze. Bis heute kamen so knapp 3.000 ehrenamtlich geleistete Stunden zusammen.
Das System funktioniert ganz einfach: „Wir haben keinen festen Dienstplan. Wir haben ja beide einen Job, ich bei Roche und Alex beim Rettungsdienst des DRK Mannheim. Daher sind unsere
Kernzeiten überwiegend abends. Dann melden wir unseren Status, dass wir von da an im Einsatz sind", erläutert Vosloh.
Neue Einsatzformation
Seit Oktober gibt es auf Initiative von Vosloh beim DRK Hirschberg eine weitere Einsatzgruppe der Bereitschaft (EGB). Damit wird das Netz bei der Rettung immer enger. Den ersten
Einsatz hatte die neue Gruppe am 14. November beim Brand auf dem Gelände von Evo-Bus. Zwei Wasserstoffbusse gerieten dabei in Flammen, der Schaden lag bei rund zwei Millionen Euro. „Wir wurden damals vom stellvertretenden Feuerwehrkommandanten und Einsatzleiter Olaf Sebastian hinzugerufen, um mit auszuhelfen. Wir übernahmen die sanitätsdienstliche Versorgung der Feuerwehrleute. Zudem reichten wir den Einsatzkräften Kaltgetränke und Snacks.“ Dieser Einsatz macht für Vosloh grundsätzlich viel Sinn, denn im Vergleich zur Berufsfeuerwehr besitzen freiwillige Feuerwehrleute keine oder kaum eine Ausbildung als Rettungssanitäter. Somit ergänzen sich die Rettungsorganisationen von Feuerwehr und DRK ideal. Das EGB-Leistungsspektrum umfasst die Erstversorgung von Notfallpatienten, die Versorgung von leichtverletzten Patienten, die sanitätsdienstliche Absicherung von Einsatzkräften (Feuerwehr, THW etc.), den Betrieb einer Anlaufstelle für Betroffene inklusive Betreuung und Registrierung, die Bereitstellung einfacher Verpflegung für Betroffene und Einsatzkräfte sowie bedarfsgerechte Unterstützung. „Wir kooperieren mit der Bereitschaft Weinheim und Heddesheim, um die Einsatzfähigkeit jederzeit sicherzustellen“, ergänzt der 38-Jährige. Die Alarmierung erfolgt in der Regel über
die Integrierte Leitstelle Rhein-Neckar.
Neben Vosloh waren an diesem 14. November noch Peter Bickel, Carsten Ewald, Anja Ewald, Samantha Noack und Alexander Schmitt an der Einsatzstelle, um die Hirschberger Feuerwehr
zu unterstützen.
Noch keine extremen Einsätze
Joachim Vosloh liebt seinen Job als DRK-Helfer. Doch bei aller Freude gibt es auch Schattenseiten: „Ich wurde auch schon beim Einsatz angepöbelt und angemacht. Die einen gehen damit leichter als andere um.“ Von extremen Einsätzen blieb er glücklicherweise verschont. „Ich kann damit bislang gut umgehen. Aber ich weiß nicht, ob es mal zu einem Einsatz kommt, der mich aus der Bahn wirft“, räumt der DRK-Mann ein.
Bei Bedarf können die Einsatzkräfte extern Hilfe über den Kreisverband anfordern. Dort gibt es geschulte Kräfte für die seelische Betreuung.
Wer sich für die Arbeit des DRK Hirschberg oder die „Helfer vor Ort“ (HvO) interessiert oder engagieren will, kann sich einfach per E-Mail an das DRK-Hirschberg wenden: info(at)drk-hirschberg(dot)de
© Quelle Weinheimer Nachrichten von Hans-Peter Riethmüller
