Drei Runden, die im Ernstfall Leben retten können - Kreisverband Mannheim e.V.
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Drei Runden, die im Ernstfall Leben retten können

Kevin Stiller bei der Einweisung der Einsatzkräfte

Wie „Einsatzklar 2026“ Katastrophenschutzübungen reformiert

Am 24. Oktober und am 12. September fanden unter dem Titel „Einsatzklar 2026“ großangelegte Katastrophenschutzübungen in Mannheim und Weinheim statt. Beteiligt waren jeweils 150 – 200 Einsatzkräfte aus Rettungsdienst und Einsatzeinheiten. Das Besondere: Die Übung wird bereits während des Durchlaufs ausgewertet und bietet den Teilnehmenden in drei Reflektionsphasen die Gelegenheit, sich zu verbessern. Kevin Stiller, studierter Medizinpädagoge und Praxisanleiter, ist als Leiter unserer Lehrrettungswache maßgeblich an der Planung, Umsetzung und Auswertung solcher Übungen beteiligt. Wir haben ihn zu der komplexen Aufgabe eine Übung dieser Art zu organisieren befragt. 

Alisa Petzsche: 

Bist du denn der alleinige Organisator solcher Übungen?

Kevin Stiller: 

Auf keinen Fall. Das ist so viel Aufwand, das kann kein Mensch allein machen. Ich vertrete vorrangig den hauptamtlichen Part, den Rettungsdienst. Aber aus dem Ehrenamt braucht man natürlich auch die Unterstützung. Das ist vor allem Joachim Vosloh, der die Kreisbereitschaftsleitung vertritt. Wir beide stellen die Projektleitung und kriegen da aber Unterstützung von verschiedensten Seiten. Das ist zum einen die Untere Katastrophenschutzbehörde Mannheim, das Amt 37, die mit uns gemeinsam als Veranstalter auftreten, ohne die das Ganze auch gar nicht geht. Über sie kriegen wir Fördergelder organisiert vom Regierungspräsidium. Dann sind unsere Rotkreuz-Beauftragten in der Rolle, ihre Einheiten damit zu koordinieren. Die Notfalldarstellung organisiert die ganzen Notfalldarsteller. Du siehst, es sind viele Leute beteiligt und wir planen die Übung seit Dezember 2025. 

Alisa Petzsche: 

Wie viele Leute sind insgesamt an den Übungen involviert gewesen mit den Teilnehmern?

Kevin Stiller: 

Dann sind wir sicher bei 150 Einsatzkräften plus 60 Darsteller. Schnittstellen und Schnittpunkte sind das Spannende an diesen Übungen. Und es macht nur dann Sinn zu üben, wenn man so übt, wie man draußen auch spielt. Klassisch nach dem Motto "Train as you fight". Und deswegen werden es dann schnell viele Leute, aber dafür wird es auch realistisch. Und solche Übungen finden nicht so oft statt, aber wenn sie stattfinden, dann sind sie unter den Interessierten auch heiß begehrt.

Alisa Petzsche: 

Was sind eure Aufgaben vor so einer Übung?

Kevin Stiller: 

Das Spannende ist erst mal alle an den Tisch zu kriegen und zu sagen "Hey, wollen wir das machen?" und uns auf einen Termin zu einigen. Das Drehbuch zu schreiben, mit dem Szenario, was wir üben wollen, das ist zügig gemacht, weil letztendlich ist es eigentlich egal – wichtig ist nur, dass für alle teilnehmenden Parteien ein Part dabei ist. Und was das Spannendste und sicherlich auch das Komplexeste am Ende ist, wie wertet man das Ganze aus? Ich habe viele Übungen erlebt, wo danach jemand Wichtiges mit vielen Sternchen dasteht und klatscht und sagt: „Danke, dass ihr da wart, habt ihr alle toll gemacht und wir gehen jetzt nach Hause.“ So wollen wir das nicht, denn wir haben viel Geld und Zeit investiert, also muss die Reflexion eigentlich das Wichtigste und das große Ziel sein. Dafür heißt es im Vorhinein erstmal Lernziele festzulegen, was wollen wir überhaupt üben? Darauf dann die Zielgruppen und das Einsatzszenario anpassen und sich dann zu überlegen, wie wir Daten sammeln, um einen Ist-Stand festzustellen. Dafür kann man die Meme benutzen, dafür kann man Messdaten erheben, dafür kann man Beobachter benutzen. Das muss man vorher wissen, damit man weiß, was man an Daten sammeln muss, damit man die später nutzen kann. Das ist das Komplexeste.

Alisa Petzsche: 

Auf was habt ihr euch bei Einsatzklar geeinigt?

Kevin Stiller: 

Auf alles. Wir sammeln sowohl qualitative als auch quantitative Daten. Quantitativ in dem Sinne, dass die Darsteller ein kleines Formular haben. Sie dokumentieren zum Beispiel, um wie viel Uhr sie gesichtet wurden, wann sie triagiert wurden, rot, gelb, grün und welche Maßnahmen dann an ihnen durchgeführt wurden. Und das tragen wir live in eine Excel-Liste ein. Und diese Excel-Liste generiert mir vor Ort noch Statistiken, die sich aus der Excel in eine verknüpfte PowerPoint übertragen. Ich kann sie direkt vor Ort vorstellen und kann dieses Feedback dann schon für die zweite Runde mitnehmen. Und da kommt dann raus, so und so viel Prozent wurden richtig triagiert, so viele zu hoch, zu niedrig. Das ist schon sehr spannend, zumal man die Entwicklung dann von Runde zu Runde sieht. 

Wir haben aber auch Beobachter und diese Beobachter haben einen speziellen Beobachtungsauftrag und da steht drin: „die Lernziele, die du auswertest, sind,…“, „Konntest du beobachten, dass…? ja, nein“, „Deine Beobachtung:…“

Das besprechen wir und versuchen die Beobachtungen in die Reflexion einfließen zu lassen. Diese Beobachtungen werden aber vor allem nachträglich in einem schriftlichen System ausgewertet, dafür braucht man mehr Zeit.

Und so schaffen wir es aber eben von Runde zu Runde besser zu werden und versuchen das auch zu visualisieren.

Und ich sag mal so eine PowerPoint, die dann schon mit Excel verknüpft ist und so, das hat natürlich zum einen technisches Know-how, aber auch Zeit gebraucht. Damit bekommen wir aber wirklich eine mega Lernkurve ab der ersten Runde hin.

Alisa Petzsche: 

Das heißt, das erste Mal, dass ihr das so gemacht habt, wie du es jetzt beschrieben hast, das war jetzt dann bei der Einsatzklar in Weinheim?

Kevin Stiller: 

Genau. Also wir haben das jetzt nicht frei erfunden, sondern das ist eine Empfehlung vom Generalsekretariat, die haben dazu eine Forschungsreihe rausgebracht. Es macht einfach unglaublich viel Sinn. Wann sind Pädagogen wie ich schon mal involviert zum Übungsplaner? Das hat schon sein Benefit.

Alisa Petzsche: 

Und wie ist das bei den Teilnehmern angekommen?

Kevin Stiller: 

Ich habe viel gutes Feedback gekriegt. Dadurch, dass es so ein objektiveres Feedback ist. Keiner kann sagen, nö, das sehe ich aber anders, denn es sind Zahlen, die wir gemessen haben. Und da wir in fast allen Bereichen besser geworden sind, ist das natürlich auch ein richtig tolles, motivierendes Erlebnis. Aus der Sicht eines Helfers ist es auch besser mehrere Übungen zu machen, anstatt einer. Beispiel: Jetzt ist man ein Helfer, der zum Zug kommt und sein Bereich läuft vielleicht nicht so gut und man geht wieder nach Hause, dann ist das gerade bei Ehrenamtlichen vielleicht für die nächste Übung demotivierend. Jetzt gebe ich ihm aber die Möglichkeit, das jetzt noch mal in der nächsten Runde besser zu machen und dann noch mal besser und das gibt natürlich einen sehr motivierenden Schub, denn wir haben ja alle das Verlangen, besser zu werden. Es ist körperlich richtig anstrengend, das aber gemeinsam zu wuppen und sich klarzuwerden, wir machen das zusammen, das macht so eine Einheit und stärkt unglaublich.

Alisa Petzsche: 

Richtig gut. Und wie ist es so für dich vor so einer Übung? Bist du da aufgeregt?

Kevin Stiller: 

Bei der Weinheimer Übung war ich schon extrem aufgeregt, weil ich die Verantwortung für eine Veranstaltung für 200 Menschen hatte, das macht schon was mit einem. Wir haben uns überlegt, schon freitags anzufangen mit so einer kleinen Vortragsreihe, dass da keiner blind reingeht und sagt " ich weiß gar nicht, was hier passiert", sondern gibt da einen Vortrag von der Leitstelle, einen Vortrag von der Katastrophenschutzbehörde, einen Vortrag von mir rettungsdienstlich und, und, und. Man kennt die Sprecher nicht, und hofft, dass zeitlich alles passt, nichts verrutscht. 

Alisa Petzsche: 

Warst du zufrieden nach den Übungen?

Kevin Stiller: 

Absolut. Jeder Aspekt hat sich optimiert. Wir können jedem sagen, wir sind da gut. Wir können am Ende sagen, wir haben Einsatzeinheiten und einen Rettungsdienst, der stark ist für Mannheim für den Rhein-Neckar-Kreis und die können was. Das ist schon ein cooles Gefühl als Team, das auf die Beine gestellt zu haben.