Das Alte Rathaus am Marktplatz ist ein besonderer Ort für das Weinheimer Rote Kreuz, denn im Bürgersaal befindet sich seit vielen Jahren zu Kerwezeiten die Einsatzzentrale des DRK. Geht man weiter in der Vereinsgeschichte zurück, fällt ein weiterer Bezug auf. Bereits im November 1898 und somit nur wenige Tage nach ihrer Gründung stellte der Gemeinderat der Freiwilligen Sanitätskolonne Weinheim den oberen Rathaussaal zur Abhaltung von Übungen zur Verfügung. Beinahe erstaunlich ist deshalb, dass der DRK-Ortsverein Weinheim zu seiner Jahreshauptversammlung, erstmals in den Bürgersaal im Alten Rathaus eingeladen hatte. Zahlreiche Aktive, Fördermitglieder und Gäste waren der Einladung gefolgt. So konnte der Vorsitzende Prof. Dr. Rudolf Large nicht nur seine Kameradinnen und Kameraden sowie alle Fördermitglieder, sondern auch Stadtrat Andreas Kränzle, Ortsvorsteherin und Stadträtin Carola Meyer, Feuerwehrkommandant Ralf Mittelbach, den Heddesheimer DRK-Vorsitzenden Thomas Tuschner als Vertreter des Kreisverbands Mannheim sowie weitere Ehrengäste begrüßen.
Abschied musste der Ortsverein im Jahr 2025 von gleich zwei verdienten und in der Weinheimer Stadtgesellschaft bekannten aktiven Mitgliedern nehmen, dem langjährigen Bereitschaftsarzt und Vorstandsmitglied Dr. Rolf Rindermann sowie dem seit 65 Jahren im DRK tätigen ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden und Bereitschaftsführer Herbert Präckel. Die Versammlung gedachte ihnen und allen verstorbenen Fördermitgliedern mit einer Schweigeminute.
Gleich zu Beginn stand die Ehrung langjähriger Mitglieder auf der Tagesordnung. Für treue Dienste im DRK wurden Jana Lochbühler und Lara Alina Müller für 10 Dienstjahre, Frank Berner und Philippe Schmitterer für 20, Christopher Maar und Dieter Scheuering für 25, Dr. Gudrun Tichy-Bernhard für 30, Dr. Martin Wurst für 40, Rudi Höhr für 45 und Rotkreuz-Urgestein Günter Hördt für sage und schreibe 65 Jahre mit der jeweiligen Dienstaltersspange ausgezeichnet. Christopher Maar und Dieter Scheuering bekamen zusätzlich die Silberne Ehrennadel des Landesverbandes für ihre langjährige Mitgliedschaft im DRK überreicht.
Sodann wurde der Reigen der Berichte über das Vereinsjahr 2025 eröffnet. Den Anfang machte der Ortsvereinsvorsitzende Prof. Dr. Rudolf Large. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte er zwei zentrale Ereignisse, den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung mit dem Italienischen Roten Kreuz der Partnerstadt Imola und die Heimattage Baden-Württemberg. Die Zusammenarbeit mit dem Comitato di Imola sieht die gegenseitige Unterstützung in Notlagen sowie den regelmäßigen Austausch von Aktiven vor. Der Vertragsunterzeichnung in Imola ging ein Besuch der italienischen Rotkreuzler in Weinheim voraus. „Wir leisten damit einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Weiterentwicklung der Städtepartnerschaft zwischen Weinheim und Imola“ schwärmte Large und dankte ausdrücklich Luca Panizzo, der als Weinheimer Vorstandsmitglied wesentlich zum Gelingen der Partnerschaft beigetragen hat. Die Heimattage Baden-Württemberg brachten für das DRK eine Vielzahl von zusätzlichen Veranstaltungen. Denn nicht nur der Baden-Württemberg-Tag mit Gewerbemesse und Kulturprogramm und die Landesfesttage mit dem Landesfestumzug waren sanitätsdienstlich zu betreuen, sondern auch viele weitere Veranstaltungen, die in diesem Jahr zusätzlich stattfanden. „Ganz Weinheim hat gefeiert. Und wir waren mittendrin dabei“ brachte es Large auf den Punkt. Doch auch mahnende Worte fanden sich in seiner Ansprache. Vor allem die Entwicklung der Fördermitgliedschaften bereitete ihm Sorgen. So gehörten dem Verein nach der Fusion mit Lützelsachsen, Hohensachsen und Ritschweier zwar wieder etwas mehr als 1400 Fördermitglieder an, die Zahl ist jedoch seither trotz vieler Anstrengungen wieder rückläufig.
Es folgten sodann die detaillierten Tätigkeitberichte der einzelnen Gemeinschaften, die von Bereitschaftsleiterin Stefanie Stiller, Jugendleiterin Laura Kirsch und Sozialleiterin Adrea Kuhn vorgetragen wurden. Die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der ehrenamtlich Aktiven in der Bereitschaft, dem Jugendrotkreuz und der Sozialarbeit war beeindruckend und verlangte den Teilnehmenden Respekt ab.
Dass ein solches Engagement nicht ohne hinreichende finanzielle Basis möglich ist, betonte Schatzmeister Volker Szallies bei der Präsentation des Jahresabschlusses 2025 und des Wirtschaftsplans für das laufende Jahr. Unterstützung erfuhr er dabei von Holger Meyer, dessen Kanzlei den Ortsverein professionell begleitet. „Der Ortsverein ist gut aufgestellt und solide finanziert“ fasste Szallies seine ausführlichen Darlegungen zusammen. Dies konnten auch die Abschlussprüfer Heide Maser und Andreas Kränzle bestätigen. Der von Andreas Kränzle gestellte Antrag auf Entlastung des Vorstands fand deshalb erwartungsgemäß einstimmige Unterstützung der Mitgliederschaft.
Damit war die Versammlung jedoch keineswegs beendet, denn es standen weitere gewichtige Punkte auf der Tagesordnung. Ende 2024 hatte man die aufgrund der angestrebten Fusion ohnehin erforderliche Satzungsänderung genutzt, die Möglichkeit eines weiteren Stellvertreters des Vorsitzenden zu schaffen, um hiermit den angewachsenen Aufgaben gerecht zu werden. Nun konnte der Vorstand der Versammlung mit Denise Sgobbio eine engagierte und in Weinheim nicht unbekannte Kandidatin aus Sulzbach vorschlagen. Die Wahl erfolgte einstimmig. Ebenso eindeutig wurde Maximilian Kritter als Beisitzer in den Vorstand nachgewählt und damit eine entstandene Vakanz beseitigt.
Langwieriger gestaltete sich der nachfolgende Tagesordnungspunkt. Der Vorstand schlug der Mitgliederversammlung vor, die Eintragung des DRK-Ortsvereins Weinheim in das Vereinsregister anzustreben. Traditionell werden die DRK-Ortsvereine in Baden-Württemberg rechtlich als nichteingetragene Vereine und verbandlich als Einrichtung des übergeordneten Kreisverbands geführt. Hieraus können sich jedoch gerade bei größeren Ortsvereinen erhebliche Haftungsrisiken für die Handelnden ergeben. Um den Weg der Eintragung zu gehen, ist jedoch nicht nur die Genehmigung des DRK-Landesverbandes einzuholen, sondern auch eine grundlegende Satzungsänderung vorzunehmen, die den Mitgliedern ausführlich vorgestellt und erläutert werden musste. Auch hier wurde die gründliche Vorbereitung der Jahreshauptversammlung belohnt. Die Mitglieder folgten einstimmig den Vorschlägen des Vorstands und beschlossen die erforderlichen Satzungsänderungen sowie die Einleitung der erforderlichen Schritte zur Umsetzung.
Ihren Abschluss fand die Mitgliederversammlung mit einem Grußwort von Thomas Tuschner, der als Vertreter des Kreisverbands Mannheim die Arbeit des Ortsvereins Weinheim würdigte und dessen Stellung im Verbandsgefüge unterstrich.


